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JAGDVERHALTEN

Annahme 4: Es ließe sich keine Tierart an dieser Spitze der Nahrungspyramide finden oder erdenken, die auch ihren potenziellen und ihren tatsächlich erlangten Beutetieren weniger Schaden zufügt und sie weniger in ihrer freien Entfaltung einschränkt als das Leistenkrokodil.

Nachweisführung zur Annahme 4

Auch die Nachweisführung zur Annahme 4 lässt sich auf einer sehr breiten und stabilen Basis herstellen, die aus drei Hauptkomponenten besteht. Die erste davon ist bereits durch die Nachweisführung zur Annahme 3 abgedeckt. Denn die dabei erkannten geringst möglichen Störungen der schwächeren Tiere und die sogar darüberhinaus gehenden positiven Wirkungen auf deren Existenz erstrecken sich schließlich auch auf das Dasein der potenziellen sowie der späteren tatsächlichen Beute zwischen der Geburt und ihrem Sterben. Die zweite Komponente wiederum entsteht durch die zur Annahme 1 nachgewiesenen Merkmale der extremen Plötzlichkeit und Schnelligkeit des Angriffes, welche ein durchschnittlich ebenso extrem schnelles Sterben der Beute bewirkt. Und die dritte Komponente findet sich auch in praktisch allen naturwissenschaftlichen Beschreibungen zu den Grundmerkmalen der Spezies: Dass nämlich das Salzwasserkrokodil sowie alle seine näheren Verwandten hochspezialisierte Überraschungsjäger sind.

Wie diese drei Komponenten in der Praxis zusammenwirken, habe ich selbst unter anderem bei der Erbeutung eines größeren Säugetieres beobachtet, in diesem Falle eines ausgewachsenen Schweineebers. Dieser hatte sich, anders als die vorsichtigeren Artgenossen, aus seiner Gruppe heraus an die Wasserkante einer Flussbiegung begeben und war dort beim Wühlen bis in das Wasser hinein gelaufen. Im besten Sinne des Wortes urplötzlich kam es zu einem explosionsartig wirkenden Tumult mit einer beträchtlichen Wasserfontäne und ebensolchen Geräuschen. Aber als sich diese Unruhe nach kaum mehr als vielleicht fünf Sekunden gelegt hatte, da war das Schwein weg. Es gab nichts mehr, das darauf hindeutete, was hier gerade geschehen war.

Die Existenz des Schweines war somit bis zu dem kurzen Ereignis von der freien Entfaltung seines Wesens bestimmt und der Tod kam so schnell und überraschend, dass es wohl kaum irgendein Leid oder Schmerzen wahrgenommen hat. Das heißt nicht, dass es nicht auch Konstellationen gibt, in denen ein kleineres Krokodil bei einer relativ größeren Beute für die Tötung längere Zeit benötigt. Aber in der durchschnittlichen Gesamtheit ändert sich nichts an der Ausrichtung hin zu dem denkbar schnellstmöglichen Ablauf des Geschehens bei der Erlangung von relativ großen Beutetieren.

Nicht nur die Jagd am Ufer, sondern alle Jagdmethoden des Krokodils verlaufen schnell und plötzlich

Es muss hier nun noch beachtet werden, dass die Salzwasserkrokodile keineswegs nur größere Landtiere als Beute erlangen. Vielmehr entfällt sowohl nach meinen eigenen Beobachtungen als auch ausweislich der dokumentierten Untersuchungen des Mageninhaltes toter Exemplare meist wohl ein überwiegender Anteil auf Fische und die bis zu drei Kilogramm schweren Schlammkrabben.

Deswegen möchte ich nun zeigen, dass auch bei ganz anderen Jagdmethoden die immer gleiche Ausrichtung der Salzwasserkrokodile im Sinne der Annahme 4 deutlich erkennbar wird. Eine besonders häufig beobachtbare dieser Methoden besteht darin, dass die Krokodile in seichterem Wasser und am liebsten unmittelbar zwischen flankierenden Felsen bis auf den Grund untertauchen und dort mit leicht aufgesperrtem Maul regungslos verweilen. Kommen nun Fische oder Krabben des Weges und stoßen auf die Felsen oder den Körper des Reptils, so werden sie in diesen Hindernissen keine Gefahr erkennen. Sie flüchten also nicht, sondern schwimmen an dem Hindernis entlang.

Und sobald sie dabei in Reichweite des von sehr sensiblen Sinnesorganen umgebenen Maules des Krokodils geraten, dann schnappt dieses in quasi blitzartig hoher Geschwindigkeit zu. Dieser Moment lässt sich nicht fotografisch zeigen, aber ich kann bezeugen, dass der sichtbare Ruck ähnlich schnell verläuft, wie bei einem Überraschungsangriff des Europäischen Hechtes (Esox lucius) auf einen Beutefisch, dessen Ablauf sich nur in filmischer Zeitlupe erkennen lässt.

Unmittelbar nach dem Zuschnappen, welches wohl meist schon zur Tötung oder Bewusstlosigkeit der Beute führen dürfte, taucht das Krokodil auf, um das Wasser aus dem Maul herauslaufen zu lassen und sie unter weiter Anhebung des Kopfes zu verschlucken. Als ich selbst diese Vorgänge die ersten Male beobachtete, verstand ich gar nicht, was die Krokodile da ständig zwischen den Felsen machten.

Erst als ich erkannte, dass sie immer wieder etwas schluckten, klärte sich die Sache auf. Und später mit mehr Erfahrung konnte ich sie sowohl tagsüber als auch nachts bei hellem Mondlicht über Stunden hinweg bei dieser Form der Jagd beobachten. Dabei wurde schließlich ersichtlich, dass es hier wieder so ist, dass die Beutetiere in einer solchen Schnelligkeit und Plötzlichkeit aus einem frei entfalteten Leben in den Tod befördert werden, dass eine noch weitergehende Verringerung des dabei entstehenden Leids nicht denkbar ist.

Eine weitere häufige, aber eher simple Jagdmethode besteht in dem untergetauchten, langsamen Entlangziehen ganz nahe am Strand. (s. rechtes Bild). Hier ist anzumerken, dass ich nie gesehen habe, dass die Krokodile - obwohl sie im Spurt sehr schnell schwimmen können - irgendwelchen Beutetieren nachstellten und sie verfolgten. So etwas wird es bestimmt auch mal geben. Aber bei dieser Methode des Abstreifens der Ufer geht es offensichtlich vor allem darum, solche Krabben und Fische zu finden, die vorgeschwächt sind oder bereits tot angespült werden. Somit wird die erwähnte ökologische Funktion der “Gesundheitspolizei” gut erkennbar.

Und es wird so auch verständlich, warum man an der vom Menschen ungestörten und stattdessen von gesunden Beständen der Krokodile und der Haie besiedelten Küstenlinie fast nie einen kranken oder sonstwie leidenden Fisch entdecken wird. Diese beiden Spitzen der Nahrungspyramiden ihrer sich gegenseitig etwas überlappenden Lebensräume sorgen also quasi wie eine in dieser Pyramide nach unten wirkende Absicherung, um das Gefüge möglichst frei zu halten von längerem Siechtum. Dass es sich auch hier wieder um eine indirekte Wirkung handelt, tut dieser Feststellung keinen Abbruch. Krokodile und Haie sind dabei sehr effizient. Ausgerechnet zum Hai gibt es ohnehin sehr auffällige Ähnlichkeiten was die evolutionäre Stabilität der Lebensform angeht, als auch was das geringstmögliche Stören der anderen Tiere sowie eben die positiven Wirkungen zugunsten derselben angeht.

Die Angst der freien Tiere vor den Fressfeinden ist eine Illusion des naturentfremdeten Menschen

Abschließend zu dieser Nachweisführung möchte ich noch kurz auf eine Illusion rund um die natürlichen Erbeutungsprozesse eingehen, die mitunter sehr stark im Weltbild solcher Menschen festsitzt, deren Abstand zur Realität der Natur besonders groß geworden ist. Diese Illusion manifestiert sich über die konkrete Einbildung, dass die potenzielle Beute sich doch wegen der bloßen Gefahr der Erbeutung durch einen Fressfeind ständig fürchten müsse.

Das kann ausweislich von Äußerungen im Internet soweit gehen, dass die Annahme entsteht, die gesamte Existenz der freien Tiere in der Natur bestünde im Wesentlichen aus Angst - sowie daran anschließend auch noch aus Hunger, Frieren, Siechtum und so weiter. In der Realität aber sieht man bis auf einen winzig kleinen Anteil lauter gesunde und furchtlose Tiere, die ihr gesamtes Wesen frei entfalten.

Warum es diese realitätsfernen Illusionen überhaupt gibt, wird in der nun gleich folgenden Reflexion deutlich werden. Ich habe übrigens selbst mehrmals echte Situationen erlebt, bei denen ich mich jeweils beim Jagen und Sammeln durch eigene Unvorsichtigkeit in die Reichweite eines auf Beute lauernden Krokodiles bewegte und die Gefahr praktisch erst im letzten Moment erkannte.

Tatsächlich entstand jedesmal ein großer Schreck. Dieser verflüchtigte sich aber schnell und führte zu einer Anpassung des eigenen Verhaltens hin zu einer künftigen Vermeidung des Fehlers. Das ist der kognitive und ähnlich auch evolutionäre Grund dafür, dass es die vermeintliche Angst vor dem Fressfeind in der Natur praktisch genauso wenig gibt, wie es bei Stadtmenschen gegenüber den potenziell nicht weniger gefährlichen Autos der Fall ist oder bei einem leidenschaftlichen Motorradfahrer gegenüber den vor ihm liegenden Kurven. Die dauerhafte Angst der freien Tiere vor den Fressfeinden existiert nur in den Köpfen der naturentfremdeten Menschen, nicht aber in der Realität.

Die Annahme 4 ist hiermit jedenfalls solide bestätigt. Die Ausrichtung entsprechend des Nachweises der Annnahme 3, die Schnelligkeit des Tötens bei der Erbeutung und schließlich die hohe Spezialisierung als Überraschungsjäger lassen erneut ein rundes Bild entstehen, welches mit Fakten zu widerlegen unmöglich wäre. Es gibt im mechanischen Sinne keine Stelle dieses Bildes, an der sich die Schädigung und das Leid der Beute noch weiter reduzieren ließe.

Mit der vierten Nachweisführung dürfte die Existenz des behaupteten Gesamtzusammenhanges stabil erwiesen sein. Dieser wird jetzt in der folgenden Zusammenfassung reflektiert:

> Zusammenfassung, Definitionen und Schlussfolgerungen