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NAHRUNGSPYRAMIDE

Annahme 1: Das Leistenkrokodil ist in seinem Lebensraum der Übergangszone zwischen Land und Wasser sowohl hinsichtlich der physischen Stärke als auch der maximalen Größe der potenziellen Beuteorganismen die absolute Spitze der ökologischen Nahrungspyramide.

Nachweisführung zur Annahme 1

Die Bestätigung der ersten Annahme ist über mehrere Wege möglich, die gemeinsam zügig zu einem klaren Ergebnis führen. Zunächst muss aber eine Präzisierung erfolgen. Und zwar bezieht sich die Definition der Annahme auf die ausgewachsenen oder jedenfalls durchschnittlich großen geschlechtsreifen Individuen. Ganz junge Salzwasserkrokodile hingegen sind, so wie es auch bei praktisch allen anderen großen Tieren der Fall ist, bei weitem noch nicht an der Spitze der Nahrungspyramide ihres Lebensraumes.

Die beiden folgenden Bilder zeigen mehrere Exemplare kaum mehr als zwei bis drei Wochen nach dem Schlupf aus den Eiern in einem küstennahen Süßwassersumpf. Diese kleinen Krokodile sind wenig länger als 20 Zentimeter.

Auch sie ernähren sich schon durch die Jagd nach anderen Tieren, aber ihre Hauptbeute besteht noch aus Insekten. Und dabei sind sie selbst potenzielle Beute von vielen Spezies der Vögel, Reptilien und Fische. Tatsächlich erreichen wahrscheinlich gerademal etwa fünf Prozent eines Jahrganges die Geschlechtsreife. Jene, denen das nicht gelingt, hatten, wie sich in der Praxis gut beobachten lässt, gleichwohl ein zwar relativ kurzes, aber doch bereits sehr abwechslungsreiches Leben. Und der Tod bei der Erbeutung etwa durch einen Raubvogel kommt in der Regel sehr schnell innerhalb einiger Sekunden. Deswegen sieht man in den Brutrevieren lauter kleine, kerngesunde Salzwasserkrokodile, die sich dort ganz offensichtlich mit großem Vergnügen entfalten.

Jene, welche dieses Stadium überschreiten, sind mit der Erlangung der Geschlechtsreife etwa knapp zwei Meter lang. Damit befinden sie sich bereits in einer Position, in der es nur noch ganz wenige natürliche Feinde im Sinne der physischen Überlegenheit gibt. Und wenn sie annähernd vier Meter groß sind, wie das Exemplar auf dem unten nachfolgenden Bild, dann gibt es in ihrem Lebensraum gar keine andere Tierart mehr, die ihnen die Position an der absoluten Spitze der Nahrungspyramide streitig machen könnte.

Dies hat einige Gründe. Der erste wird bei der Betrachtung der Anatomie des Kopfes mit dem riesigen Maul und den ebensolchen Zähnen leicht erkennbar. Die sichtbaren Merkmale des Schädels gehen mit einer extrem hohen Effizienz der Kiefermuskeln einher. Nach empirischen Forschungsergebnissen erreichen die Salzwasserkrokodile die höchste nachgewiesene Beißkraft unter allen aktuell auf dem Planeten  lebenden Tieren [1]. Zum Weißen Hai gibt es nicht bestätigte Schätzungen, nach denen sehr große Exemplare ähnliche Beißkräfte erreichen. Allerdings geht es hier ja darum, die absolute Spitze der Nahrungspyramide im Lebensraum des Salzwasserkrokodils nachzuweisen. Der Kernbereich desselben liegt in der Übergangszone zwischen dem Land und dem Wasser, während jener des Weißen Haies der offene Ozean ist. Dadurch, dass das Salzwasserkrokodil sich auch häufig im Meer aufhält und - wie ich später noch ausführlich zeigen werde - dort auch jagt, gibt es zwar Überschneidungen seines Lebensraumes mit jenem der großen Haie. Aber die Zentren der beiden Lebensräume sind eindeutig verschieden.

Die hohe Effizienz auch des gesamten Muskelgewebes spielt eine entscheidende Rolle bei der weiteren Eigenschaft einer extrem hohen Angriffsgeschwindigkeit aus der Ruhe heraus. Nach den Ergebnissen von Messungen mittels Kameratechnik  bewegt sich das Tier dabei innerhalb der ersten viertel Sekunde mit einer Geschwindigkeit von 12 Metern pro Sekunde voran [2]. Es kann so praktisch urplötzlich aus einer untergetauchten Position an der Uferkante heraus in 0,25 Sekunden drei Meter auf das Land zurücklegen.

Schon aus physischen Gründen wird kein potentielles Beutetier die Reaktionszeit zum Ausweichen vor einem solchen explosionsartigen Angriff erreichen. Deswegen gehört etwa in Australien zu den wichtigsten der von den Behörden veröffentlichten  Regeln im Verbreitungsgebiet der Krokodile das ständige Einhalten eines ausreichenden Sicherheitsabstandes zur Uferkante.

Die extrem hohe Angriffsgeschwindigkeit wird vor allem  durch die Schwanzpartie erzeugt. Diese besteht  neben sehr fester, hornartiger  Haut und Knochen aus ebenfalls sehr effizientem Muskelgewebe. Im folgenden Bild (welches zufällig entstanden ist, das Tier  wurde von mir nicht absichtlich provoziert) lässt sich dies erkennen, weil das Leistenkrokodil im Rahmen einer typischen Drohgebärde die Schwanzmuskeln über die zwei letzten Drittel der Länge anspannt.

Dieser Teil des Schwanzes bildet durch die seitlich abgeflachte Form mitsamt hohen Hornfinnen im Wasser eine große Rückstoßfläche. Vor dem Herausschießen aus dem Wasser im Rahmen einer Erbeutung oder auch eines Kampfes würde sich die Anspannung der Muskeln noch bis in den hinteren  Rücken erstrecken und  innerhalb eines kleinen Bruchteils einer Sekunde in eine enorm hohe Rückschlagskraft umgewandelt.

Das Leistenkrokodil ist wie eine Manifestation des extremst möglichen Gewaltpotenzials

Die skizzierten Eigenschaften der Salzwasserkrokodile, also das riesige Maul, die großen Zähne, die hocheffizienten Muskeln und die enorme Rückschlagskraft durch den Schwanz, werden noch von einer fast durchweg gepanzerten Körperoberfläche ergänzt und lassen dieses Tier wie eine in der Evolution herausgebildete Manifestation des extremst möglichen physischen Gewaltpotenzials erscheinen.

Und dies fällt bei ihnen als die größte aller Arten der Krokodilier, zu denen neben den Echten Krokodilen die Alligatoren und die Gaviale zählen, auch noch mit einem Körpergewicht von bis zu über einer Tonne und einer maximalen Körperlänge von über sechs Metern zusammen. Damit liegen sie in ihrem Verbreitungsgebiet weit höher als sämtliche solcher reinen Landtiere, die sich ebenfalls durch Erbeutung anderer Tiere ernähren. Auch mit diesen gibt es sicher einige Überschneidungen der Lebensräume. Als die einzige potenzielle Konkurrenz im Sinne der Annahme 1 innerhalb der Verbreitungsgebiete des Salzwasserkrokodils könnte aber wohl höchstens der Asiatische Tiger in Betracht kommen. Allerdings sind ja zum einen hier ebenfalls wieder die Kernlebensräume eben nicht identisch. Und abgesehen davon wären selbst die größten Tigermännchen mit ihren bis zu 300 Kilogramm Körpergewicht einem großen Salzwasserkrokodil in einer direkten Konfrontation wahrscheinlich bei weitem nicht gewachsen.

Darüber hinaus liegt auch noch die maximale Größe und die potenzielle Durchschnittsgröße der direkt und einzeln erlangten Beute des Salzwasserkrokodils höher als jene des Tigers und der Haie. Aus Australien und Südasien sind vielfältige bestätigte Zeugenaussagen bekannt, nach denen einzelne Salzwasserkrokodile Beutetiere bis zur Größe von ausgewachsenen – selbst bis eine Tonne schweren – Rinderbullen und Pferden innerhalb sehr kurzer Zeit von mitunter weniger als einer Minute überwältigen und töten können. Dort wo die Menschen solche "Nutztiere" in großen Zahlen entlang der Ufer von Flüssen halten, kommt es sogar mitunter zu einer zügigen Ausrichtung hin zur regelmäßigen Erbeutung derselben.

Zur Nachweisführung findet sich unten ein Link zu einer entsprechenden Berichterstattung aus Nordaustralien [3]. Es gibt Berichte darüber, dass auch Haie sowie Tiger in Einzelfällen ähnlich große Beute überwältigen und töten. Aber zum einen geht es dabei um seltene Beobachtungen und andere, weit langsamere Geschwindigkeiten des Erbeutungsvorganges. Und zum anderen besteht ja ohnehin der Ausschluss der direkten Konkurrenz im Sinne der Annahme 1 durch die unterschiedlichen Lebensräume.

Es gibt also tatsächlich keinen Organismus im Lebensraum des Salzwasserkrokodiles am Übergang von Land und Wasser, der im Sinne der Annahme 1 der absoluten Spitze der Nahrungspyramide auch nur annähernd eine echte Konkurrenz darstellt. Hier ist anzumerken, dass ich selbst bei umfangreichen Recherchen weder in naturwissenschaftlichen noch sonstigen Quellen irgendwelche anderslautenden Behauptungen gefunden habe. Und somit kann die Annahme 1 als stabil nachgewiesen festgestellt werden.

> Weiter zur Nachweisführung der Annahme 2