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SCHLUSSFOLGERUNG

Mit der erfolgten Bestätigung der vier Annahmen ist nachgewiesen, dass an der absoluten Spitze der Nahrungspyramide des lebensgeschichtlich äußerst bedeutenden Überganges zwischen Land und Wasser eine Lebensform existiert, die mit einer praktisch höchstmöglichen physischen Stärke und einer ebenso nachhaltigen Stabilität ausgestattet ist, während sie sogleich die schwächeren Lebensformen ihrer Umwelt in jeder Richtung ihrer Wirkungen so geringfügig beeinträchtigt oder schädigt, dass in diesem Sinne eine noch weitergehende Reduzierung nicht mehr möglich wäre. Und darüber hinaus lassen sich sogar verschiedene positive Wirkungen auf die freie Entfaltung der schwächeren Lebewesen erkennen.

Es kann wohl nach vernünftigem Ermessen ausgeschlossen werden, dass es sich bei diesem so weit zugespitzten Zusammentreffen der Eigenschaften und Wirkungen um einen Zufall handelt. Somit bleibt nur die Möglichkeit, dass sich das Salzwasserkrokodil im evolutionären Sinne sehr erfolgreich an natürliche Gesetzmäßigkeiten angepasst hat, welche in der ökologischen Struktur wirken und die nun im Umkehrschluss eben an seinen Eigenschaften und Merkmalen erkennbar werden. Aber wie könnte man diese Gesetzmäßigkeiten definieren und wie funktionieren ihre Mechanismen?

Zum Nachvollziehen der beim Leistenkrokodil und generell der Krokodilform stattgefundenen Anpassung an die hier nun gegenständlichen natürlichen Gesetzmäßigkeiten ist eine Brücke durch den Vergleich mit jenen Phänomenen hilfreich, die in der Strömungslehre erforscht werden. Dort geht es ja um Widerstände durch Materieteilchen, auf die ein sich bewegender Massekörper trifft.

Wenn der Körper also auf ein Luftmolekül trifft, dann muss er zur Fortsetzung seiner Bewegung genügend Masse und Geschwindigkeit haben, um dieses zu verdrängen. Und wenn die Bewegung durch einen Raum verläuft, der gefüllt ist von Luftmolekülen, dann ist es für sein möglichst leichtes Vorankommen entscheidend, dass er so geformt ist, dass er gewissermaßen die nun vielfachen Widerstände geringstmöglich hervorruft. Würde der vorderste Teil des Körpers aus einer frontal in der Bewegungsrichtung liegenden großen Fläche bestehen, dann könnte der Gesamtwiderstand der Luftmoleküle so groß werden, dass er nur sehr langsam oder gar nicht mehr vorankommt.

Die Erhöhung der Geschwindigkeit würde ihn jedenfalls enorme Kräfte kosten. Und der entstehende Gegendruck ließe schließlich auch die mechanische Beanspruchung des Körpers und folglich dessen Verschleiß anwachsen. Deswegen haben sich alle Tiere, die sich ständig im Wasser oder in der Luft bewegen, sehr weitreichend an jene Gesetzmäßigkeiten angepasst, welche schließlich die Widerstände von Materielteilchen hervorrufen.

Ganz einfach zusammengefasst sind sie also über die evolutionäre Gestaltung ihrer Merkmale so weitgehend "stromlinienförmig" geworden, wie es die sonstigen notwendigen Funktionen ihrer Physis zulassen, damit die Widerstände der Luft- oder auch Wassermoleküle möglichst gering ausfallen. Eine Forelle kann dadurch nun ihr gesamtes Leben in einem schnell strömenden Fluss verbringen und sich hinsichtlich aller ihrer sonstigen Eigenschaften und Bedürfnisse entfalten.

Das Prinzip dieser Anpassung hin zu einem stromlinienförmigen Körper ähnelt jenem, das auch in der Kombination der vier nachgewiesenen Annahmen zutage tritt. Dabei geht es jetzt aber nicht um die Wirkungen einer Ansammlung einzelner Materieteilchen, sondern um ein unbeherrschbar komplexes Gefüge aus sehr vielfältigen miteinander in Wechselwirkung stehenden Organismen. Der Raum, welchen diese füllen, ist das Ökosystem des Lebensraumes des Krokodiles.

Alle in den Nachweisführungen zu den Annahmen 3 und 4 beschriebenen anatomischen Merkmale und Verhaltensweisen der Salzwasserkrokodile sind gut erkennbar darauf ausgerichtet, sich so durch diesen Raum zu bewegen, dass die anderen Organismen durch die eignen Außenwirkungen - egal welcher Art sie sind - so gering als irgend möglich gestört werden oder dass sie sogar ihrerseits einen Nutzen daraus gewinnen. Umso besser das gelingt, desto stabiler und sicherer wird offensichtlich die eigene Existenz in dem Raum.

Diese Mechanismen ließen sich über die in der Nachweisführung herangezogenen Beispiele hinaus noch bis in kleinste Details der ökologischen Wechselwirkungen erweitern. So wurde etwa das Phänomen beobachtet, dass die Salzwasserkrokodile über extreme Eigenschaften einer sich anpassenden Immunität gegenüber potenziell krankheitserregenden Bakterien verfügen. Da die Menschen den tieferen symbiotischen Zusammenhang bisher nicht verstehen, würde es wohl kaum verwundern, wenn sie nach möglichen Giften suchten, welche der Krokodilkörper produziert, weil doch die Lösung nur in einem solchen Weg der Aggression liegen könne. Dies entspräche dem Trugschluss, der zu der Annahme führt, dass das physische Gewaltpotenzial des Salzwasserkrokodils sein evolutionäres Erfolgsrezept sei. Tatsächlich aber liegt dieses in einer Konzentration auf symbiotische Wirkungen.

Die Suche nach einer Definitionsgrundlage führt zu der Bedeutung des Begriffes der "Freiheit"

Sucht man nun nach einer konkreten Definition jener Struktur des Ökosystems, an die sich das Salzwasserkrokodil angepasst hat, dann findet man den besten Ansatz bei einem Begriff, der sich in allen großen Sprachfamilien der Zivilisation gebildet hat: Die “Freiheit”.

Im mechanischen Sinne ist die Bedeutung dieses Wortes sehr einfach. So liegen die Wurzeln des Wortes Freiheit im altgermanischen fri halsa [12], was schlicht bedeutete, dass einem der eigene Hals selbst gehört, dass also das Individuum über sich selbst bestimmt und somit in eigener Bestimmung sein Wesen entfaltet. Und im Grunde ist es genauso auch etwa mit den Wurzeln des Freiheitsbegriffes im Lateinischen, wo libertate ebenfalls im Kern die Selbstbestimmtheit bezeichnete oder im Altgriechischen, in dem mit e¬leuqería die „selbstständige Lebensführung“ gemeint war und mit dem Adjektiv leúqeron „die Herrschaft über sich besitzend“.

Und schließlich findet sich die eigentliche Wortbedeutung samt Erkennung als Regelmäßigkeit der Natur ganz schlicht über die findige Weisheit des Volksmundes, weil dieser nämlich ebenfalls in allen Sprachfamilien solche Formulierungen hervorgebracht hat wie etwa “freie Natur” oder “frei wie ein Vogel”.

Reflektiert man nun die Ausrichtung des Salzwasserkrokodiles hinsichtlich der Wirkungen auf die Freiheit aller anderen Beteiligten seines Lebensraumes, dann wird klar erkennbar, dass sie hin zu einer geringst möglichen Beschränkung derselben verläuft. Denn jede Störung - egal welcher Kategorie sie auch sei - verliefe gegen die freie und somit selbstbestimmte Entfaltung anderer Lebewesen und somit die Grundstruktur des Ökosystems.

Dabei ist es nicht möglich, überhaupt keine Störungen hervorzurufen, so wie es auch der Forelle unmöglich wäre, über die Evolution einen Körper hervorzubringen, der sich völlig frei von zu überwindenden Widerständen der Wassermoleküle fortbewegt. Aber es ist eben möglich, die eigene Anatomie und das Verhalten so anzupassen, dass diese Widerstände auf das geringstmögliche reduziert sind. Und genau dies hat die Lebensform Leistenkrokodil im Sinne der evolutionären Anpassung hinsichtlich aller ihrer Merkmale und Verhaltensweisen getan.

Wechselt man nun die Betrachtung von den Wirkungen der Krokodile bis auf den Gesamtrahmen der belebten Natur, so wird erkennbar, dass dessen Ausrichtung genau dem entspricht, was im Salzwasserkrokodil in der zugespitzten Konzentration sichtbar ist. Das Ökosystem in seiner Gesamtheit wirkt also im ganz großen Rahmen auf alle darin befindlichen Lebensformen genauso, wie es das Leistenkrokodil als einzelne Spezies oder auch als Individuum hinsichtlich seiner Auswirkungen auf die Lebewesen seiner Umwelt tut.

Es ist sicher nicht leicht, diesen Wechsel der Betrachtung auf den ganz großen Rahmen nachzuvollziehen. Aber was die konkreten Ergebnisse angeht, so gibt es vielerlei Möglichkeiten der praktischen Beweisführung. Eine solche lässt sich bereits umsetzen, indem man etwa mal einen Nachmittag durch die Natur wandert und dabei jeden sichtbar werdenden Vogel betrachtet. Der Anteil solcher Exemplare, deren selbstbestimmte Entfaltung in irgendeiner konkret benennbaren Weise eingeschränkt ist, wird regelmäßig sehr weit gegen null gehen. Leicht erkennbar beruht jede Handlung auf eigenen Entscheidungen. Auch wenn der Vogel einem Fressfeind ausweicht und flieht, so ist dies das Ergebnis der selbstbestimmten Entscheidung des Vogels, nicht hingegen jene des Fressfeindes, der ja eine völlig andere Entscheidung bevorzugen würde.

Noch weitergehend findet man auch nur sehr selten etwa einen kranken oder verletzten Vogel. Hierbei handelt es sich um das Ergebnis einer strukturellen Wirkung des Gesamtrahmens der Natur, welche sich im Krokodil durch das automatisch zügige Auffinden von kranken oder verletzten Tieren sowie die schnelle Tötung bei der Erbeutung manifestiert haben. In dem Gesamtrahmen ist es die sehr hohe Straffheit eines jeden gesunden Ökosystems, durch welche jegliches Elend und Leid zumeist zügig beendet wird. Wegen all dem sehen wir in der Wirklichkeit des Waldes fast nur gesunde, selbstbestimmte und somit frei entfaltete Vögel, so wie wir beim Schnorcheln in einem Korallenriff bis weit gegen absolut gehend ebenso freie und gesunde Fische sehen.

Somit hat das große Krokodil tatsächlich die tiefsten Geheimnisse der gesamten Natur verraten. Und diese sind äußerst positiv. Denn offensichtlich ist das Leben und jenes, was sich hinter dem Begriff der Freiheit verbirgt, gewissermaßen ein und dasselbe. Die gesamte Natur war seit jeher ein Raum der freien Entfaltung, während Elend und Leid immer nur winzig kleine Randerscheinungen waren. Wer mehr darüber erfahren möchte, findet umfangreiche Erklärungen in meinem Sachbuch "Die verdrängten Gesetze der belebten Natur" sowie in meinem Wissenschaftsroman "Der Goldene Frühling".

[12] Friedrich Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 1883.