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SCHLUSSFOLGERUNG

Mit der erfolgten Bestätigung der vier Annahmen ist nachgewiesen, dass an der absoluten Spitze der Nahrungspyramide des lebensgeschichtlich äußerst bedeutenden Überganges zwischen Land und Wasser eine Lebensform existiert, die mit einer praktisch höchstmöglichen physischen Stärke und einer ebenso nachhaltigen Stabilität ausgestattet ist, während sie sogleich die schwächeren Lebensformen ihrer Umwelt in jeder Richtung ihrer Wirkungen so geringfügig beeinträchtigt oder schädigt, dass in diesem Sinne eine noch weitergehende Reduzierung nicht mehr möglich wäre.

Es lässt sich nach vernünftigem Ermessen ausschließen, dass es sich bei diesem so weit zugespitzten Zusammentreffen der Eigenschaften und Wirkungen um einen Zufall handelt. Somit kann es nicht anders sein, als dass sich das Salzwasserkrokodil im evolutionären Sinne sehr erfolgreich an natürliche Gesetzmäßigkeiten angepasst hat, welche in der ökologischen Struktur wirken und die nun im Umkehrschluss eben an seinen Eigenschaften und Merkmalen erkennbar werden. Aber wie könnte man diese Gesetzmäßigkeiten definieren und wie funktionieren ihre Mechanismen?

Zum Nachvollziehen der beim Leistenkrokodil und generell der Krokodilform stattgefundenen Anpassung an die hier nun gegenständlichen natürlichen Gesetzmäßigkeiten ist eine Brücke durch den Vergleich mit jenen Phänomenen hilfreich, die in der Strömungslehre erforscht werden. Dort geht es ja um Widerstände durch Materieteilchen, auf die ein sich bewegender Massekörper trifft.

Wenn der Körper also auf ein Luftmolekül trifft, dann muss er zur Fortsetzung seiner Bewegung genügend Masse und Geschwindigkeit haben, um dieses zu verdrängen. Und wenn die Bewegung durch einen Raum verläuft, der gefüllt ist von Luftmolekülen, dann ist es für sein möglichst leichtes Vorankommen entscheidend, dass er so geformt ist, dass er gewissermaßen die nun vielfachen Widerstände geringstmöglich hervorruft. Würde der vorderste Teil des Körpers aus einer frontal in der Bewegungsrichtung liegenden großen Fläche bestehen, dann könnte der Gesamtwiderstand der Luftmoleküle so groß werden, dass er nur sehr langsam oder gar nicht mehr vorankommt.

Die Erhöhung der Geschwindigkeit würde ihn jedenfalls enorme Kräfte kosten. Und der entstehende Gegendruck ließe schließlich auch die mechanische Beanspruchung des Körpers und folglich dessen Verschleiß anwachsen. Deswegen haben sich alle Tiere, die sich ständig im Wasser oder in der Luft bewegen, sehr weitreichend an jene Gesetzmäßigkeiten angepasst, welche schließlich die Widerstände von Materielteilchen hervorrufen.

Ganz einfach zusammengefasst sind sie also über die evolutionäre Gestaltung ihrer Merkmale so weitgehend "stromlinienförmig" geworden, wie es die sonstigen notwendigen Funktionen ihrer Physis zulassen, damit die Widerstände der Luft- oder auch Wassermoleküle möglichst gering ausfallen. Eine Forelle kann dadurch nun ihr gesamtes Leben in einem schnell strömenden Fluss verbringen und sich hinsichtlich aller ihrer sonstigen Eigenschaften und Bedürfnisse entfalten.

Das Prinzip dieser Anpassung hin zu einem stromlinienförmigen Körper ähnelt jenem, das auch in der Kombination der vier nachgewiesenen Annahmen zutage tritt. Dabei geht es jetzt aber nicht um die Wirkungen einer Ansammlung einzelner Materieteilchen, sondern um ein unbeherrschbar komplexes Gefüge aus sehr vielfältigen miteinander in Wechselwirkung stehenden Organismen. Der Raum, welchen diese füllen, ist das Ökosystem des Lebensraumes des Krokodiles.

Alle in den Nachweisführungen zu den Annahmen 3 und 4 beschriebenen anatomischen Merkmale und Verhaltensweisen der Salzwasserkrokodile sind gut erkennbar darauf ausgerichtet, sich so durch diesen Raum zu bewegen, dass die anderen Organismen durch die eignen Außenwirkungen - egal welcher Art sie sind - so gering als irgend möglich gestört werden oder dass sie sogar ihrerseits einen Nutzen daraus gewinnen. Umso besser das gelingt, desto stabiler und sicherer wird offensichtlich die eigene Existenz in dem Raum.

Diese Mechanismen ließen sich über die in der Nachweisführung herangezogenen Beispiele hinaus noch bis in kleinste Details der ökologischen Wechselwirkungen erweitern. So wurde etwa das Phänomen beobachtet, dass die Salzwasserkrokodile über extreme Eigenschaften einer sich anpassenden Immunität gegenüber potenziell krankheitserregenden Bakterien verfügen. Da die Menschen den tieferen symbiotischen Zusammenhang bisher nicht verstehen, würde es wohl kaum verwundern, wenn sie nach möglichen Giften suchten, welche der Krokodilkörper produziert, weil doch die Lösung nur in einem solchen Weg der Aggression liegen könne. Dies entspräche dem Trugschluss, der zu der Annahme führt, dass das physische Gewaltpotenzial des Salzwasserkrokodils sein evolutionäres Erfolgsrezept sei. Tatsächlich aber liegt dieses in einer Konzentration auf symbiotische Wirkungen.

Die Suche nach einer Definitionsgrundlage führt zu der Bedeutung des Begriffes der "Freiheit"

Sucht man nun nach einer konkreten Definition jener Struktur des Ökosystems, an die sich das Salzwasserkrokodil angepasst hat, dann findet man den besten Ansatz bei einem Begriff, der sich in allen großen Sprachfamilien der Zivilisation gebildet hat: Die “Freiheit”.

Im mechanischen Sinne ist die Bedeutung dieses Wortes sehr einfach. So liegen die Wurzeln des Wortes Freiheit im altgermanischen fri halsa [12], was schlicht bedeutete, dass einem der eigene Hals selbst gehört, dass also das Individuum über sich selbst bestimmt und somit in eigener Bestimmung sein Wesen entfaltet. Und im Grunde ist es genauso auch etwa mit den Wurzeln des Freiheitsbegriffes im Lateinischen, wo libertate ebenfalls im Kern die Selbstbestimmtheit bezeichnete oder im Altgriechischen, in dem mit e¬leuqería die „selbstständige Lebensführung“ gemeint war und mit dem Adjektiv leúqeron „die Herrschaft über sich besitzend“.

Und schließlich findet sich die eigentliche Wortbedeutung samt Erkennung als Regelmäßigkeit der Natur ganz schlicht über die findige Weisheit des Volksmundes, weil dieser nämlich ebenfalls in allen Sprachfamilien solche Formulierungen hervorgebracht hat wie etwa “freie Natur” oder “frei wie ein Vogel”.

Reflektiert man nun die Ausrichtung des Salzwasserkrokodiles hinsichtlich der Wirkungen auf die Freiheit aller anderen Beteiligten seines Lebensraumes, dann wird klar erkennbar, dass sie hin zu einer geringst möglichen Beschränkung derselben verläuft. Denn jede Störung - egal welcher Kategorie sie auch sei - verliefe gegen die freie und somit selbstbestimmte Entfaltung anderer Lebewesen und somit die Grundstruktur des Ökosystems.

Dabei ist es nicht möglich, überhaupt keine Störungen hervorzurufen, so wie es auch der Forelle unmöglich wäre, über die Evolution einen Körper hervorzubringen, der sich völlig frei von zu überwindenden Widerständen der Wassermoleküle fortbewegt. Aber es ist eben möglich, die eigene Anatomie und das Verhalten so anzupassen, dass diese Widerstände auf das geringstmögliche reduziert sind. Und genau dies hat die Lebensform Leistenkrokodil im Sinne der evolutionären Anpassung hinsichtlich aller ihrer Merkmale und Verhaltensweisen getan.

Wechselt man nun die Betrachtung von den Wirkungen der Krokodile bis auf den Gesamtrahmen der belebten Natur, so wird erkennbar, dass dessen Ausrichtung genau dem entspricht, was im Salzwasserkrokodil in der zugespitzten Konzentration sichtbar ist. Das Ökosystem in seiner Gesamtheit wirkt also im ganz großen Rahmen auf alle darin befindlichen Lebensformen genauso, wie es das Leistenkrokodil als einzelne Spezies oder auch als Individuum hinsichtlich seiner Auswirkungen auf die Lebewesen seiner Umwelt tut.

Es ist sicher nicht leicht, diesen Wechsel der Betrachtung auf den ganz großen Rahmen nachzuvollziehen. Aber was die konkreten Ergebnisse angeht, so gibt es vielerlei Möglichkeiten der praktischen Beweisführung. Eine solche lässt sich bereits umsetzen, indem man etwa mal einen Nachmittag durch die Natur wandert und dabei jeden sichtbar werdenden Vogel betrachtet. Der Anteil solcher Exemplare, deren selbstbestimmte Entfaltung in irgendeiner konkret benennbaren Weise eingeschränkt ist, wird regelmäßig sehr weit gegen null gehen. Leicht erkennbar beruht jede Handlung auf eigenen Entscheidungen. Auch wenn der Vogel einem Fressfeind ausweicht und flieht, so ist dies das Ergebnis der selbstbestimmten Entscheidung des Vogels, nicht hingegen jene des Fressfeindes, der ja eine völlig andere Entscheidung bevorzugen würde.

Noch weitergehend findet man auch nur sehr selten etwa einen kranken oder verletzten Vogel. Hierbei handelt es sich um das Ergebnis einer strukturellen Wirkung des Gesamtrahmens der Natur, welche sich im Krokodil durch das automatisch zügige Auffinden von kranken oder verletzten Tieren sowie die schnelle Tötung bei der Erbeutung manifestiert haben. In dem Gesamtrahmen ist es die sehr hohe Straffheit eines jeden gesunden Ökosystems, durch welche jegliches Elend und Leid zumeist zügig beendet wird. Wegen all dem sehen wir in der Wirklichkeit des Waldes fast nur gesunde, selbstbestimmte und somit frei entfaltete Vögel, so wie wir beim Schnorcheln in einem Korallenriff bis weit gegen absolut gehend ebenso freie und gesunde Fische sehen.

Zusammenführung der Definition mit den Mechanismen des “Respekts”

Nach dem Erkennen der Freiheit als zentrale und strukturelle Regelmäßigkeit der belebten Natur kann der Kreis hin zu dem bereits auf der Startseite kurz reflektierten Gegenstand der Bedeutung jener Begriffe geschlossen werden, die in unserer Sprache “Respekt” und “Rücksichtnahme” heißen. Dabei geht es auch wieder um eine rein mechanische Betrachtung. Anzumerken ist hier, dass die Hauptbedeutungen dieser beiden Begriffe sich praktisch nicht unterscheiden, weil die Wurzeln des Wortes “Respekt” im lateinischen “respectio” liegen, was schlicht “Rückschauen” bedeutete.

Um die eigentlichen Mechanismen des Respekts im Wortsinne leicht verständlich zu halten, eignet sich die Reflexion der Frage, wie denn ein Mensch handelt, der sich so weitgehend wie möglich gegenüber anderen Menschen “rücksichtsvoll“ oder „respektvoll“ verhalten möchte. Er wird bestrebt sein, diese anderen Leute durch seine eigenen Handlungen nicht oder wenigstens so geringfügig wie irgend möglich in ihrer gesamtheitlichen freien Entfaltung zu stören oder zu schädigen. Und wenn wir nun den Blick auf die Ergebnisse der Untersuchung der Salzwasserkrokodile richten, dann wird eine klare und unbestreitbare Deckungsgleichheit dieser Haltung mit jenen der Annahmen 3 und 4 erkennbar.

Wer nun meint, dass es doch hinsichtlich der Ursachen eine fundamentale Unterschiedlichkeit gebe - also einerseits die Absicht des Menschen und andererseits die selektive Ausrichtung über die biologische Evolution - der unterliegt damit einer Täuschung. Auch die Kognition des Menschen hat ihre Entstehungsgrundlage in den evolutionären Prozessen. Jener Mensch, der bestrebt ist, sich in der Gesellschaft seinesgleichen möglichst respektvoll zu verhalten, tut dies auf der Grundlage uralter Muster, die schon immer auch auf die eigene Existenz im Sozialgefüge positiv und absichernd gewirkt haben. Nur ist der Maßstab bei der Betrachtung der Wirkungen des Krokodils im Gesamtgefüge der Natur wesentlich größer.

Um den Zusammenhang noch etwas stabiler zu verdeutlichen, ziehe ich folgend beispielhaft das Zitat eines Wissenschaftlers heran, der seit vielen Jahren im Bereich der empirischen Respektforschung tätig ist. In diesem Fachgebiet geht es um Definitionen bis hin zu mathematischer Formulierung der Mechanismen des Forschungsgegenstandes. Dieser liegt insbesondere im so definierten “Horizontalen Respekt”. Bei dem Forscher handelt es sich nun um Professor Dr. Tilman Eckloff, der in einem Interview [13] unter der Überschrift “Auf Augenhöhe Die Freiheit des anderen ist auch meine Freiheit” nach der Essenz seiner langjährigen Arbeit gefragt wird. Dabei trifft er unter anderem folgende Aussage:

"Wenn ich respektvoll bin, gewinne ich meinen Teil der Freiheit. Auf Augenhöhe respektvoll sein heißt ja: Mein Recht auf freie Entfaltung ist zugleich das Recht des anderen auf freie Entfaltung. Das ist meine Freiheit. Ich gewinne die Freiheit, selbst so leben zu können, wie ich das gerne möchte, doch das kann ich nur unter der Voraussetzung, dass ich die Freiheit des anderen auch als gleichwertig anerkenne."

Sowohl Professor Eckloff als auch seine Fachkollegen konzentrieren sich fast ausschließlich auf den zwischenmenschlichen Respekt. Dies liegt schon daran, dass die hier von mir dargelegten größeren Zusammenhänge in Bezug auf die gesamte belebte Natur bisher noch gar nicht wissenschaftlich beschrieben wurden. Aber es dürfte leicht erkennbar sein, dass er im Grunde eben auch nichts anderes skizziert als jene Mechanismen, an die sich das Salzwasserkrokodil in den Wechselwirkungen des gesamten ökologischen Gefüges seines Lebensraumes angepasst hat. Dadurch, dass es die Freiheit der anderen Lebewesen so geringfügig wie irgend möglich stört oder sie sogar befördert, hat es als Lebensform selbst die größte und stabilste eigene Freiheit gewonnen. Die Struktur dieser mechanischen Gesetzmäßigkeiten ist also im Grunde verblüffend einfach.

Folgerungen in Bezug auf das System der Zivilisation

Dass die Existenz der erläuterten Naturgesetze aus dem Blickwinkel der heutigen Zivilisation trotz derer einfachen Struktur so unfassbar erscheinen mag, liegt daran, dass dieses System sich seit der sogenannten “Neolithischen Revolution” - also der Umstellung der Nahrungsbeschaffung vom Jagen und Sammeln freier Lebewesen hin zur ihrer Haltung und Züchtung - diametral gegen sie ausgerichtet hat.

Parallel zu diesem Prozess muss es von Beginn an eine kognitive Wahrnehmung der Tatsache gegeben haben, dass man sich nun gegen grundlegende Regelmäßigkeiten der Natur bewegt. Sämtliche grundlegende Regelmäßigkeiten der Natur sind fest in die Kognition aller Tiere eingeprägt. Dies hat nichts zu tun mit irgend einem abstrakten Wissen darüber. So wird zum Beispiel jedes Landwirbeltier in einer gefährlichen Höhensituation die grundsätzlich gleiche Angst verspüren. Es kennt also die Wirkungen der Gravitation, ohne wahrscheinlich auch auch nur im Geringsten etwas darüber lernen zu müssen. Und die unangenehme Angst hat den evolutionären Zweck, dafür zu sorgen, dass sich das betreffende Tier aus dieser Situation herausbewegt.

So wie die unangenehme Angst in der gefährlichen Höhensituation muss es auch mit der “Neolithischen Revolution” auf der kollektiven Ebene der entstehenden Zivilisation zu sehr unangenehm empfundenen Emotionen gekommen sein, deren Zweck die Wiederanpassung an die regelmäßigen Abläufe des natürlichen Lebensgefüges war. Die Ausrichtung gegen dieselben ist - auf einer kollektiven und zeitlich gestreckten Ebene - im Grunde nicht weniger schädlich als es das Ignorieren der Wirkungen der Gravitation durch das Individuum wäre. Aber da es wahrscheinlich recht schnell zu einer Abhängigkeit von der neuen Form der Nahrungsbeschaffung kam, verschwand bald die Möglichkeit dieser Wiederanpassung.

Und so passierte es, dass der kollektive Geist der Zivilisation einerseits damit begann, die gegenständlichen Naturgesetze auszublenden und sie darüberhinaus auch noch mit allerlei Tricks als eigene und ihm exklusive Produkte anzudichten. Als Werkzeuge zur Ausblendung und Umdichtung wurden zum Beispiel phantasievolle Geschichten von Göttern erfunden, deren allerwichtigstes Ziel die Erschaffung des ihnen gleichen Menschen gewesen sei und ihm sogleich die Unterwerfung der anderen Lebensformen aufgegeben habe - also genau das Gegenteil dessen zu tun, was die zentralen Naturgesetze seit jeher bewirken.

Die Philosophen der vermeintlichen neuzeitlichen ”Aufklärung” zielten mit ihren komplizierten Verdrehungen im Kern ebenfalls stets auf diesen Zweck ab. Sie erfanden wieder andere “edle” und “höhere” Exklusivitäten des Menschen, darunter solche wie jene der exklusiven menschlichen Vernunft oder des ebenso exklusiven Ich-Bewusstseins. Die Gründe für diese Erfindungen sind gleich jenen der religiösen Konzepte: Es ging stets darum, die Freiheit als zentrale Regelmäßigkeit der Natur nicht wahrnehmen zu müssen, weil die eigene Existenz auf der ihr diametral zuwiderlaufenden Versklavung anderer Lebewesen beruhte. Deswegen erklärten etwa Descartes und Kant die angebliche exklusive menschliche Vernunft zur alles entscheidenden Voraussetzung der Freiheit, womit das gleiche Ziel erreicht war, wie zuvor mit dem genauso frei erfundenen Gottesbefehl zur Unterwerfung und Beherrschung der anderen Lebewesen.

Auch solche modernen Konzepte wie jenes der “Grausamen Natur”, welche heute besonders über die Massenmedien funktionieren, haben - so wie jene von Religion und Philosophie - die Funktionen der Übertünchung der Freiheit als zentrale natürliche Regelmäßigkeit sowie der Erniedrigung der gesamten Natur zum Zwecke der eigenen künstlichen Erhöhung. Da werden dann die im zeitlichen Rahmen winzigen Erbeutungsvorgänge in der Natur fotografisch aus diesem herausgerissen und zeitlich unbegrenzt einem Millionenpublikum serviert.

Weitere gezielte Produkte der Massenmedien sind bildliche und schriftliche Herausstellungen von Rettungen anderer Tiere oder deren “Verniedlichung” und “Versüßung”. Auch damit liefern die Massenmedien dem Publikum von diesem geforderte Erhöhungen des Menschen als ein edles und moralisch von den anderen Lebensformen abgehobenes Wesen. Und so wie schon bei Religion und Philosophie wird auf beiden Seiten unterbewusst gehandelt - denn das eigentliche Ziel all dieser Bestrebungen ist längst in sehr tiefe Schichten des Bewusstseins gerückt.

Die Verdrehungen ziehen sich noch weiter etwa zu der Umdeutung von symbiotischen und parasitären Beziehungen verschiedener anderer Spezies. Da wird dann etwa der Mutualismus zwischen Ameisen und Blattläusen so interpretiert, als gäbe es hier Ähnlichkeiten zu dem Verhältnis des Menschen zu den wirklich versklavten “Milchkühen”. Tatsächlich gibt es keine echte Ähnlichkeit, denn die Läuse selbst sind es, die seit über 40 Millionen Jahren ihre für sie nutzlosen Fäkalien zum gezielten Anlocken der Ameisen verwenden, weil sie dadurch vielerlei Vorteile gewinnen. Die Milch der Kühe hingegen ist ausschließlich zur Nährung der Kälber entstanden und ihre Versklavung hat erst vor wenigen Jahrtausenden begonnen.

Ein anderes Beispiel der Verdrehung natürlicher Phänomene ist die Umdeutung der ebenfalls über zigmillionen Jahre entwickelten obligatorischen Symbiose zwischen Blattschneiderameisen und Egerschirmlingspilz. Es wird dann behauptet, dass es hier um ein Zuchtverhältnis entsprechend jenem der zivilisatorischen “Nutzpflanzen” gehe. Tatsächlich aber wurde noch nie ein einziges Merkmal des Pilzes oder der Ameisen nachgewiesen, das zum alleinigen Vorteil des Partners von diesem gezielt "gezüchtet" wurde. Vielmehr haben sich beide Seiten in sehr langsamen evolutionären Prozessen stets zum jeweiligen eigenen Nutzen aneinander angenähert. Dies hat nichts zu tun mit dem Schema der künstlichen Zuchtwahl, wie sie der Mensch blindlings mit allen Lebensformen anstellte, die ihm zwischen die Finger kamen.

Tatsächlich hatte schon Charles Darwin sehr klar festgestellt, dass es eine gegenseitige Lenkung der evolutionären Fortentwicklung der Merkmale zwischen verschiedenen Lebewesen zum ausschließlichen Nutzen des Manipulators gar nicht geben kann [14: s. Zitat ]. Es funktioniert nicht, oder besser gesagt im evolutionären Sinne nicht nachhaltig, weil der Manipulator die andere Seite immer schwächen würde und so nach in evolutionären Maßstäben winzigen Zeiträumen selbst in eine Sackgasse geriete. Die Aussage Darwins wurde nie widerlegt, und zwar noch nicht mal in irgendeinem kleinen Teilbereich etwa der Mikrobiologie oder des Parasitismus.

Es gibt also in der Struktur des Lebens soetwas wie ein "Naturgesetz der freien Evolution", welches auch dafür sorgt, dass es zwischen verschiedenen Spezies nicht zu echten Versklavungsverhältnissen kommen kann und das somit seit jeher die regelmäßige Freiheit aller Lebensformen absichert.

Durch die genannten und viele weitere Ausblendungen und Verdrehungen der Wirklichkeit ist ein großer Abstand zu deren realistischer Erkennung entstanden. Während die echte Natur seit jeher bestimmt ist von der Freiheit und ihrem Genuss, ist der Mensch wie in einer stickigen Blase gefangen und dreht sich darin um sich selbst. Wie verrückt das dadurch entstandene zivilisatorische Weltbild ist, lässt sich an praktisch jeder seiner Stellen erkennen. So wirkt zum Beispiel schon die über Jahrhunderte eingeprägte philosophische Annahme einer ”exklusiven Vernunft” im Angesicht einer immer schnelleren Zerstörung der eigenen Existenzgrundlagen heute wie ein peinlich schlechter Witz.

Die pflanzliche Intensivlandwirtschaft wiederum lässt schon längst das Ende einer evolutionären Sackgasse erkennen, weil die manipulierten, genetisch verarmten und geschwächten "Nutzpflanzen" immer mehr Pestizide sowie weitere Untützung brauchen. Und die Falschbehauptung der “Grausamkeit der Natur” wiederum wird mit Blick auf die nicht mehr steigerbare echte Grausamkeit gegenüber den lebenslang in der Massentierhaltung zu Milliarden eingesperrten, vergewaltigten und faktisch dauerhaft gefolterten Vögeln, Säugern und anderen Tieren als geradezu psychopathische Ablenkung und Kompensation erkennbar.

Handlungsmöglichkeiten zur Aufklärung und Anpassung

Ein in der Folge der Verdrängung seiner Widernatürlichkeit solch verwirrter Geist wie jener unserer heutigen Zivilisation wird sich zügig zugrunde richten und er ist sogar schon längst dabei. Wenn es jetzt noch Chancen gibt, aus dieser Situation herauszukommen, dann können diese nur in einer Kombination zweier Wege bestehen, die beide schnellstmöglich und mit größter Konsequenz beschritten werden müssten.

Der erste besteht in einer sofortigen sehr weitreichenden Aufklärung über die beschriebenen Zusammenhänge. Hierzu wäre eine große Anstrengung praktisch aller zivilisatorischen Organe notwendig. Dies umfasst die komplette Neuausrichtung der Naturwissenschaften und der ihnen angeschlossenen akademischen Lehre. Die bisherigen Prioritäten etwa der praktisch sinnlosen Suche nach immer kleineren Materieteilchen oder neuen Technologien müssten zugunsten des neuen Schwerpunktes beiseite geschoben werden. Der Erforschung der natürlichen Mechanismen der Freiheit und des Respekts müsste in der Grundlagenforschung sowie auch in der akademischen Lehre die absolut höchste Priorität eingeräumt werden.

Zur Aufklärung müsste desweiteren, so schmerzhaft dies auch sein mag, anerkannt werden, dass nicht die Natur grausam und brutal ist, sondern dass die Wirkungen des heutigen Menschen auf die lebenslang versklavten anderen Lebewesen in diesem Sinne eine extreme und völlig perverse Höhe erreicht haben. Das, was bei der heutigen Versklavung der anderen Tiere passiert, ist an Grausamkeit und Brutalität erdgeschichtlich ganz und gar beispiellos.

Der zweite, parallel zu der schnellstmöglichen Aufklärung zu beschreitende Weg liegt in der ebenfalls sofortigen physischen Ausrichtung nach den gegenständlichen Gesetzmäßigkeiten. An oberster Stelle muss die sofortige Einleitung der Beendigung jeglicher Versklavung anderer Tiere stehen. Es lässt sich sehr leicht nachweisen, dass hier auch beim Menschen selbst die größten geistigen Schäden entstanden sind, sowohl was die Entfaltung der eigenen Kognition als auch die Verstümmelung des gesamten Weltbildes angeht. Ohne die radikale und schnellstmögliche Einleitung dieses drastischen Schrittes, der auf der physischen Ebene tatsächlich umsetzbar wäre, gibt es keine Möglichkeit der Realisierung des ersten Weges der geistigen Aufklärung. Die Versklavung der anderen Tiere blockiert die Entfaltung der kognitiven Potenziale des Menschen.

Und was nun das letzte Fazit dieser Dokumentation angeht, so kann dieses nur in der Aufforderung liegen, dass jeder, der den Zusammenhang rund um die bisher unbeschriebenen Naturgesetze sowie die fatale Ernsthaftigkeit der akuten Situation begriffen hat und der irgendwie die zivilisatorische Beschreitung der zwei skizzierten Auswege befördern kann, seiner bestehenden Pflicht entsprechend nachkommen sollte. Das betrifft ganz besonders etwa Journalisten oder Naturwissenschaftler, aber auch jeden sonstigen Menschen, der in irgendeiner Weise in die entsprechende Richtung wirken könnte. Es dürfte wohl niemanden geben, auf den Letzteres nicht zutrifft.

[12] Friedrich Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 1883.
[13] Publik-Forum Nr.8 2013 (Seite 70-71): „Auf Augenhöhe“ Von Doris Weber,veröffentlicht am 26.04.2013.
[14] Zitat Charles Darwin: “Natürliche Zuchtwahl kann unmöglich irgend eine Abänderung in irgend einer Species bewirken, welche nur einer anderen Species zum ausschließlichen Vortheile gereichte, obwohl in der ganzen Natur eine Species ohne Unterlaß von der Organisation einer andern Nutzen und Vortheil zieht. (…) Ließe sich beweisen, daß irgend ein Theil der Organisation einer Species zum ausschließlichen Besten einer anderen Species gebildet worden sei, so wäre meine Theorie vernichtet, weil eine solche Bildung nicht durch natürliche Zuchtwahl bewirkt werden kann. Obwohl in naturhistorischen Schriften vielerlei Behauptungen in diesem Sinne aufgestellt worden, so kann ich doch keine einzige darunter von einigem Gewichte finden.” / Quelle und Textstelle: Charles Darwin: Über die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl oder die Erhaltung der begünstigten Rassen im Kampfe um's Dasein. E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung (E. Koch), Stuttgart 1876, Seite 231.